X



« Die Pandemie ist ein Vorgeschmack auf die Klimakrise »

Alexandre Fournier, Leiter des Instituts Gesundheit der Hochschule für Gesundheit (HEdS) und Mitglied des Ausschusses der Covidis-Taskforce, spricht in diesem Interview über die Anpassungen, die von unserer Schule während der Krise gemacht werden mussten, die notwendigen Verbesserungen und darüber, was uns noch bevorsteht. 


Der Gesundheitssektor befand sich beim Kampf gegen COVID-19 an vorderster Front. Wie hat sich dies auf die HEdS und Ihr Institut ausgewirkt? 

Die HEdS hat diese Auswirkungen sehr schnell gespürt, da rasch Lösungen gefunden werden mussten, um die Gesundheitseinrichtungen und -fachleute zu unterstützen und eine nützliche  Wertschöpfung zu schaffen. Parallel dazu musste der Unterricht unter den bestmöglichen Bedingungen weiterlaufen. Am Institut mussten einige Projekte unterbrochen werden, wodurch Zeit und Ressourcen frei wurden für COVID-Projekte. Wir zeigten uns reaktiv und setzten unsere Kenntnisse und Ressourcen ein, um konkret Unterstützung zu bieten. 

Die Covidis-Taskforce, der Sie angehören, wurde von der HES-SO Valais-Wallis eingesetzt, um die zur Bewältigung der Krise nützlichsten Projekte auszuwählen. Welches waren die grössten Schwierigkeiten?

Wir mussten rasch reagieren, die Projektideen fortlaufend evaluieren und die Entscheidungen auch zeitnah treffen, da die Projekte gezielt lanciert werden mussten. Diese eher ungewöhnliche Art des Projektmanagements war gewöhnungsbedürftig. Wir haben uns jedoch trotz der Grösse unserer Schule, die zum Beispiel bei der Freigabe der Budgets zu gewissen Verzögerungen geführt hat, gut geschlagen. Unserer Taskforce gehörten Vertreter aller fünf Hochschulen an, was sehr repräsentativ für unsere Walliser Struktur war. 

Ihre Anpassungsfähigkeit war also gefragt?

Ja, um rasch, kohärent und gezielt reagieren zu können, mussten wir sehr anpassungsfähig sein. In Krisenzeiten muss man bereit sein, aus den üblichen Entscheidungsprozessen auszubrechen. Personen, die Erfahrung in der Praxisarbeit haben, wissen um die Bedeutung, sich fortlaufend anpassen und Entscheidungen treffen zu können, auch ohne über alle Informationen zu verfügen.

Sollten auch die Studierenden lernen, mit Unsicherheit umzugehen?

Es wäre interessant, wenn den Studierenden der HEdS – und der gesamten HES-SO Valais-Wallis – nicht nur wissenschaftliche Fakten vermittelt würden, sondern sie sich auch mit Unsicherheiten auseinandersetzen müssten. Dies ist kein einfaches Vorhaben, da jede Institution auf Gewissheit aufbaut. In Krisensituationen wie der jetzigen müssen wir zudem in der Lage sein, unseren Studierenden das nötige Wissen zu vermitteln, um sich auch in unsicheren Situationen wohlzufühlen.  

Sollte an der HES-SO Valais-Wallis der Anpassungsfähigkeit grössere Bedeutung beigemessen werden?

Dank unserer engen Zusammenarbeit mit der Praxis ist Flexibilität für uns kein Fremdwort, aber wir könnten koordinierter vorgehen. Gesamthaft gesehen finde ich, dass die Reaktionsfähigkeit an der HES-SO Valais-Wallis ziemlich gut ist, doch könnten agile Prozesse uns ermöglichen, noch besser mit künftigen Krisen umzugehen. Denn die Pandemie ist nur ein Vorgeschmack auf die Klimakrise.

Welche neuen Möglichkeiten hat uns die Krise aufgezeigt?

Die COVID-19-Krise ist mit Chancen, aber auch mit Gefahren verbunden, unter anderem für die Gesundheit der Mitarbeitenden und Studierenden. Wenn wir daraus lernen könnten, unter immer schwierigeren Umständen mit Krisen besser umzugehen, wäre dies ein grosses Plus für die Zukunft. 

Glauben Sie daran?

Ich bin zwar von Natur aus Optimist, kann jedoch hierauf keine optimistische Antwort geben. Es bedarf strategischer Überlegungen, die Zeit in Anspruch nehmen. Wir werden bald wieder zum Business as usual zurückkehren. Ich habe die Hoffnung zwar nicht verloren, glaube jedoch nicht daran, dass der Bewusstseinswandel gross genug war.

Könnte die COVID-19-Krise zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Gesundheitsberufe führen?

Der Personalmangel ist ein bekanntes Problem. Um eine zukünftige Krise zu überstehen, müssen innerhalb von kürzester Zeit umfassende Ressourcen freigesetzt werden. Das aktuelle Problem ist die Zahl der Beatmungsgeräte und Personen, die diese bedienen können.

Wird die Bevölkerung infolge dieser Krise die Gesundheitsberufe mehr schätzen? Oder war diese Solidarität nur vorübergehend? 

Man wird sich eines Problems erst dann richtig bewusst, wenn man selbst betroffen ist. Wurde dieser Wendepunkt erreicht? Wurden die politischen Versprechungen von der Bevölkerung als ausreichend betrachtet? Die Zeit wird es zeigen.

 

 

Print
Tags:

Please login or register to post comments.

 

Si vous désirez participer à la rédaction du magazine hespresso, nous transmettre des idées de sujet, des commentaires ou simplement nous poser une question, n’hésitez pas à nous contacter à l’adresse communication@hevs.ch et à partager les contenus qui vous plaisent sur vos réseaux !

Merci et bonne lecture

Haben Sie Lust, sich an der Gestaltung unserer Hauszeitung zu beteiligen? Sie können uns jederzeit unter communication@hevs.ch erreichen und uns Ihre Anregungen, Ideen und Fragen senden. Zögern Sie nicht, die Artikel, die Ihnen gefallen, auf Ihren sozialen Netzwerken zu teilen.

Viel Spass beim Lesen

logo-hes-so-valais-2019

Le site hespresso.hevs.ch utilise des cookies pour vous offrir une expérience utilisateur de qualité et optimiser ses fonctionnalités. En poursuivant votre navigation sur celui-ci, vous acceptez l'utilisation de cookies dans les conditions prévues par nos mentions légales.